Kurz: Das passt gut zusammen, würde ich mal sagen. Die lange Antwort habe ich aber auch für euch – und es ist mir ein Vergnügen, sie zu schreiben.
Zunächst einmal möchte ich vorausschicken, dass selbst ich vor zwei Jahren nicht gewusst habe, dass ich einmal Liebesgeschichten schreibe. Viele – und ich am allermeisten – waren davon überzeugt, mein erstes publiziertes Buch wird ein Thriller, ein schrulliger Krimi oder ein Freibeuter-Fantasy-Epos. Nichts davon ist es geworden. Irgendwann zwischen dem Lesen von Scifi und Romance habe ich einfach angefangen, das zu schreiben, was mir fehlt.
Und das war keine Lovestory voller Klischees. Die muss es auch geben, aber nicht aus meiner Feder.
Was mir gefehlt hat, war Intensität – im Fühlen und im Denken. Eine Liebesgeschichte, die laut sein darf, aber auch Fragen stellt.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Metal und Literatur sich treffen.
Wenn ich an Rock- und Metal Musik denke, dann kommen mir da nicht nur verzerrte Gitarren oder schreiende Menschen in den Sinn. Ich denke an das kollektive Fühlen in einer wogenden Menge. An die rohe Ehrlichkeit eines Blackgaze-Songs, der dich gleichzeitig zerreißt und umarmt. An dieses eine Konzert, bei dem du zwischen Fremden stehst und trotzdem das Gefühl hast, nicht allein zu sein.
Ist das nicht zutiefst romantisch?
Romance bedeutet für mich nicht (nur) Candlelight und Klischee. Es bedeutet Intensität. Es bedeutet, sich selbst im Angesicht eines anderen Menschen auszuhalten. Metal macht genau das. Er ist laut, ja. Aber er ist auch verletzlich. Er ist Pathos, Wut, Sehnsucht, Ekstase – alles auf einmal. Warum sollte das weniger mit Liebe zu tun haben als ein zartes Klavierstück?
Und dann ist da die Literatur.
Ich liebe es, große Köpfe wie Virginia Woolf in alltägliche Situationen zu holen. Ihre Fragen – Wer bin ich? Wie lebe ich? Wem gehört mein Leben? Was habe ich zu sagen? Wie kann ich mich entfalten? – aus der Perspektive meiner Protagonistinnen neu zu denken. Was würde Woolf sagen, wenn sie in einem verrauchten Backstage-Raum stünde? Was würde sie in der Stille einer Bibliothek hören, wenn draußen die Welt brüllt?
Literatur ist für mich kein Immer-wieder-das-Gleiche. Sie ist Werkzeug, Reibungsfläche und eine Einladung zugleich.
Susan Sontag schrieb über das intensive Leben, über Wahrnehmung, über das Sehen. Patti Smith verbindet Poesie mit Punk. Kreatives Schaffen – ob als Kritikerin, Lyrikerin, Musikerin, Fotografin oder in meinem Fall als Schriftstellerin – ist für mich immer auch eine Form von radikalem Leben. Nicht nur denken, sondern fühlen!
Erleben!
Sich mutig exponieren.
Genau das möchte ich auch in meinen Geschichten verhandeln.
Ja, meine Bücher haben Happy Ends. Nicht, weil das Leben immer so funktioniert, sondern weil ich es mir wünsche. Für meine Figuren, für meine Leserinnen. Einfach für uns alle.
Aber meine Happy Ends sind kein Zuckerguss oder Kuchenstück. Sie sind erkämpft. Sie entstehen nach Zweifel, Angst, Selbstbefragung und Schmerz. Meine Geschichten erzählen nicht nur von einer Liebe zwischen zwei Frauen. Sie erzählen auch von einer Liebeserklärung an das Leben – an seine Ecken und Widersprüche, an Heavy Music, an Literatur, an große Denkerinnen.
An Kreativität.
Vielleicht sind meine Bücher deshalb eine Einladung.
Eine Einladung, die eigenen Fragen zu stellen. So unbequem wie Virginia Woolf es tat. Sich zu fragen: Lebe ich wirklich? Oder funktioniere ich nur? Was will ich erschaffen? Wen will ich lieben? Wofür will ich stehen?
Nicht alle Menschen haben die Freiheit, sich kreativ zu entfalten. Das ist eine bittere Realität, die mir jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, das Herz bricht. Aber wenn du sie hast – nutz sie! Wenn du schreiben willst: Schreib. Wenn du Musik machen willst: Mach sie. Wenn du lieben willst: Lieb.
Metal und Romance passen zusammen, weil beides Intensität ist.
Beides ist nicht immer bequem.
Beides ist großes Herzklopfen.
Und beides weigert sich, leise zu sein.
Vielleicht solltest du das auch nicht.
Wenn du ein paar Songs – von heavy bis soft alles dabei, die meiner Meinung nach ziemlich romantisch sind – erleben möchtest, here we go:
- Within Temptation – Faster (Genre: Alternative Rock/Symphonic Metal)
- Stone Sour – Wicked Game Acoustic Cover (Genre: Alternative Rock)
- Eluveitie – The Call Of The Mountains (Genre: Folk Metal)
- Linkin Park – The Emptiness Machine – Live at Wembley (Genre: Alternative Rock/Metal)
- Soil – Too Far Away (Genre: Alternative Rock/Metal)
- MØL – Garland (Genre: Blackgaze)
- Amaranthe – Breaking the Waves (Genre: Melodic Metal)
- Draconian – Claw Marks on the Throne (Genre: ein Mischmasch aus Doom, Death Doom und Gothic Metal)
- Architects – Animals (Orchestral Version) – Live at Abbey Road (Genre: Metalcore in der epischen Version)
- Primordial – Coffin Ships (Genre: Mischmasch aus Folk, Pagan und Black Metal)
- Eivør – Mánasegl (Genre: Nordic Folk)